Neues Angebot zum Internationalen Tag der Provenienzforschung 2025: die digitale Ausstellung „Schicksalhafte Seiten. Bücher verfolgter Jurist:innen in der SLUB Dresden“

von Elisabeth Geldmacher und Nadine Kulbe

Anlässlich des Internationalen Tags der Provenienzforschung eröffnet die SLUB Dresden heute die digitale Ausstellung „Schicksalhafte Seiten. Bücher verfolgter Jurist:innen in der SLUB Dresden“. Grundlage dafür ist eine Ausstellung, die noch bis Herbst 2025 auch in den Räumen der Zweigbibliothek Interim Bergstraße gezeigt wird. Präsentiert werden erste Ergebnisse der Untersuchung von Beständen der ehemaligen Universitätsbibliothek Dresden auf NS-Raubgut. In ihrer digitalen Form kann die Sonderausstellung ab sofort auch dauerhaft und online bei der Deutschen Digitalen Bibliothek besucht werden. Informiert wird über im Nationalsozialismus verfolgte Personen und Institutionen, deren Bücher in den Bestand der ehemaligen Universitätsbibliothek Dresden eingegangen sind. Die Ausstellung präsentiert biografische und autobiografische Dokumente, die deren Leben und Verfolgungsschicksale nachzeichnen. Dabei fällt der Blick auch unweigerlich auf kulturelle, politische und gesellschaftliche Kontexte und legt Leerstellen bei der Suche nach NS-Raubgut im Bestand der Zweigbibliothek Bergstraße offen.

Vorgestellt wird zum Beispiel das Schicksal des Urheberrechtsexperten Paul Dienstag (1885–1945), der im Nationalsozialismus als Jude verfolgt wurde. Dienstag gelang die Emigration in die Niederlande, allerdings wurde er nach deren Besetzung 1940 durch die deutsche Wehrmacht im Lager Westerbork interniert. Im Januar 1944 wurde er in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert und dort Anfang 1945 ermordet. Mehr über das Leben Paul Dienstags und seine Liebe zu Selma van Leeuwen-Gerzon (1880–1972) wider alle unmenschlichen Lebensumstände im Lager gibt es in der Ausstellung zu erfahren.

Hier geht’s zur virtuellen Ausstellung „Schicksalhafte Seiten. Bücher verfolgter Jurist:innen in der SLUB Dresden“

Bis zum 17. Oktober 2025 ist die Ausstellung „Schicksalhafte Seiten. Bücher verfolgter Jurist:innen in der SLUB Dresden“ noch am dezentralen Standort der SLUB Dresden, Interim Bibliothek Bergstraße, Zellescher Weg 21-25, 01217 Dresden geöffnet. Mehr Informationen dazu gibt es auf den Seiten des Buchmuseums der SLUB Dresden.

Mehr über die Provenienzforschung mit Fokus auf NS-Raubgut ist auf den Projektenseiten der SLUB Dresden zu erfahren: zum Beispiel zu den verschiedenen Projekten, zu Restitutionen und diversen Veranstaltungen.

Anlässlich des Internationalen Tags der Provenienzforschung am 9. April 2025 stellen die Projektmitarbeiterinnen im SLUB coffee talk außerdem den Podcast „Zweites Untergeschoss. Ein Forschungspodcast zur Herkunft von Büchern“ vor: knackig kurz bei einer Tasse Kaffee um 13:30 Uhr im Foyer der Hauptbibliothek der SLUB Dresden. Den Podcast ist über die Mediathek der SLUB, über Spotify und Apple Podcasts verfügbar.

Und wer von einer virtuellen Ausstellung nicht genug hat, kann sich gern noch die Ausstellung „mind the gap. Von geraubten Büchern, fairen Lösungen … und Lücken“ ansehen. Hier geht es um die Lücken, mit denen Provenienzforscher:innen bei der Suche nach und Identifizierung von NS-Raubgut konfrontiert sind – und um Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen.

Die virtuelle Ausstellung „Schicksalhafte Seiten“ ist im Rahmen des Projektes „NS-Raubgut in der SLUB (Bestände der Universitätsbibliothek)“ (2021–2025) entstanden, das von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird.


Elisabeth Geldmacher und Nadine Kulbe sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und hier noch bis Herbst 2025 im Provenienzprojekt „NS-Raubgut in der SLUB (Bestände der Universitätsbibliothek)“ tätig. Sie haben die analog-digitale Ausstellung „Schicksalhafte Seiten“ kuratiert.

Elisabeth Geldmacher
Elisabeth Geldmacher

Nur der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International nutzbar. Alle anderen Elemente (Abbildungen, importierte Anhänge) sind „Alle Rechte vorbehalten“, sofern nicht anders angegeben.


OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Elisabeth Geldmacher, Nadine Kulbe (9. April 2025). Neues Angebot zum Internationalen Tag der Provenienzforschung 2025: die digitale Ausstellung „Schicksalhafte Seiten. Bücher verfolgter Jurist:innen in der SLUB Dresden“. RETOUR 🠔. Abgerufen am 11. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/13prc


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.